50 internationale Wissenschaftler, zwei Weinpausen – und eine Begegnung zwischen Hightech und Rebstock
Manchmal klingt ein Auftrag zunächst ganz einfach.
Rund 50 Gäste der Universität Bonn sollten von Marienthal durch die Weinberge nach Ahrweiler begleitet werden. Unterwegs zwei Weinpausen. Alles auf Englisch.
50 Menschen sind allerdings eine ordentliche Hausnummer. Deshalb war für mich schnell klar: Das mache ich nicht allein. Vera kam mit.
Unser erster Stopp sollte am ehemaligen Eingang des Regierungsbunkers oberhalb von Marienthal stattfinden. Ein Glas Sekt zum Empfang, ein paar Worte zur Ahr, zur Landschaft und zu dem, was uns auf unserem Weg erwarten würde.
Soweit der Auftrag, soweit der Plan.
Nur wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht so recht, wen wir da eigentlich vor uns hatten.
Es war eine internationale Gruppe aus Professoren, Doktoranden und jungen Wissenschaftlern. Leiter der Gruppe war Prof. Dr.-Ing. Heiner Kuhlmann von der Universität Bonn, dessen Forschungsgebiete unter anderem Ingenieurgeodäsie, terrestrisches und kinematisches Laserscanning, sowie Anwendungen dieser Technologien in der Landwirtschaft umfassen.
Und plötzlich wurde aus einer Weinwanderung etwas ganz anderes.
Von Lasern, Trauben und ziemlich klugen Maschinen
Im Gespräch erzählte mir Heiner Kuhlmann von Forschungsarbeiten im Weinbau, unter anderem von Projekten mit dem Geilweilerhof in Siebeldingen. Da wurde es für mich natürlich interessant.
Denn bei moderner Agrarforschung geht es längst nicht mehr nur darum, einen Traktor möglichst gerade durch eine Rebzeile fahren zu lassen. Mit Kameras und Sensoren können beispielsweise Trauben erfasst und Beeren analysiert werden. Daraus lassen sich Informationen gewinnen, die für Ertragsschätzungen oder einen möglichst gezielten Pflanzenschutz von Bedeutung sein können.
Noch spannender fand ich ein anderes Thema: Robotik im Weinberg.
Die Idee dahinter ist bestechend. Nicht alles, was zwischen den Reben wächst, soll verschwinden. Im Gegenteil. Eine vielfältige Vegetation ist Lebensraum und damit ein wichtiger Bestandteil der Biodiversität.
Problematische Beikräuter jedoch gezielt erkennen und bekämpfen zu können, ohne deshalb gleich die gesamte Fläche behandeln zu müssen – genau dabei können moderne Bilderkennung, Sensorik und Robotik helfen. Ich hörte ihm gespannt zu und dachte irgendwann:
Das, worüber wir hier gerade sprechen, liegt doch vor unseren Füßen.
Also zeigte ich ihnen Weinberge

Nicht nur die schöne Ahr.
Nicht nur Steillagen, Schiefer und Reben für das Erinnerungsfoto.
Sondern Unterschiede.
Wir konnten unterwegs sehen, wie verschieden Weinberge bewirtschaftet werden. Was zwischen den Rebzeilen wächst. Wo Vegetation zugelassen wird und wo weniger. Welche Herausforderungen Hangneigung, enge Parzellen und unterschiedliche Bewirtschaftungsformen mit sich bringen.
Und plötzlich standen Menschen, die mit Laserscanning, Kameras, Daten, Algorithmen und Robotik an der Landwirtschaft von morgen forschen, mitten in einer Landschaft, in der sich viele der Fragestellungen ihrer Arbeit ganz praktisch betrachten ließen.
Der Weinberg war für einen Moment kein Ausflugsziel mehr. Er war ihr Forschungsgegenstand.
Das Faszinierende daran war für mich der Perspektivwechsel. Ich musste diesen Wissenschaftlern ihre Forschung nicht erklären. Das wäre auch reichlich vermessen gewesen. Ich konnte etwas anderes beitragen: meine Welt.
- die Rebe.
- den Weinbau.
- die Ahr.
- die Arbeit der Winzer.
Und Beobachtungen aus einer Kulturlandschaft, in der viele Dinge, über die andernorts theoretisch gesprochen wird, unmittelbar sichtbar werden. So entstand unterwegs ein Austausch, den niemand bestellt und niemand geplant hatte.
Vielleicht sind gerade das die schönsten Begegnungen.
Und dann kam mir manches merkwürdig bekannt vor
Im Laufe des Nachmittags ergab sich noch eine kleine Geschichte, über die ich heute schmunzeln muss.
Die Organisatorin, Steffi, erzählte mir, dass sie früher mehrere Jahre in Bonn internationale Treffen von Doktoranden der Wirtschaftswissenschaften organisiert hatte. Zu diesen Treffen gehörte im Sommer regelmäßig auch ein gemeinsamer Ausflug ins Ahrtal. Während sie erzählte, dachte ich:
Moment. Solche Gruppen kenne ich doch?
Wir redeten weiter.
Und tatsächlich stellte sich heraus, dass ich einige dieser internationalen Doktorandengruppen damals selbst durchs Ahrtal geführt hatte – ebenfalls auf Englisch. Nur erinnerte man sich Jahre später nicht mehr genau an den Namen des damaligen Veranstalters. Und so führte der Weg dieses neuen Auftrags diesmal über AhrTours wieder zu mir. Manchmal sind die Wege im Ahrtal eben nicht nur im Weinberg verschlungen.
50 Menschen – und irgendwann eine Gruppe
Was mir von diesem Nachmittag besonders in Erinnerung bleibt, ist die Offenheit dieser Menschen. Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichsten Teilen der Welt, ihre Professoren, unterschiedliche Fachrichtungen, unterschiedliche kulturelle Hintergründe – und trotzdem entstand unterwegs sehr schnell etwas Gemeinsames.
Wir sprachen über Wein.
Über Landschaft.
Über Forschung.
Über Landwirtschaft.
Wir probierten miteinander.
Wir lachten miteinander.
Irgendwann war aus den 50 Menschen, die wir in Marienthal übernommen hatten, eine ziemlich fröhliche Gruppe geworden.
Mein herzlicher Dank gilt AhrTours für diesen besonderen Auftrag, Prof. Dr.-Ing. Heiner Kuhlmann und allen Teilnehmenden für ihre Offenheit, ihre Neugier und diese unerwartet spannenden Gespräche. Und Vera dafür, dass ein WeinOpa bei 50 Gästen eben manchmal eine WeinOma an seiner Seite braucht 😉
Was von diesem Nachmittag bleibt?
Vielleicht vor allem eine Erkenntnis:
Der WeinOpa meint:
„Zwischen Hightech und einem Rebstock liegen manchmal nur ein paar Schritte. Man muss gemeinsam in den Weinberg gehen, um sie zu entdecken.“

