Gruppenfoto der Veranstaltungsteilnehmer

Wenn der Weinberg mitspricht…

Ein Nachmittag mit den Weinen des VDP.Weingutes Meyer-Näkel (Dernau), einer Gruppe alter Kölner Studienfreunde und zwei verdeckten Gläsern über dem Walporzheimer Kräuterberg.

Einmal im Jahr treffen sich ein Kölner Zahnarzt und seine früheren Studienkollegen. In diesem Jahr war Köln an der Reihe, und der Gastgeber hatte sich einiges einfallen lassen:

Eine private Führung im Kölner Dom, bei der die Gruppe mit ihrer Gästeführerin sogar Räume und das Dach kennenlernen durfte, später das Haus der Geschichte in Bonn, ein Essen in Rolandseck und ein Besuch im dortigen Arp Museum.

Danach sollte die Ahr zeigen, was sie kann. Genauer: Der Gastgeber wollte seinen Freunden die Weine von Meyer-Näkel dort vorstellen, wo sie wachsen oder wo ihre Weinberge zumindest zum Greifen nah vor ihnen liegen. Das Weingut vertraute mir die Gestaltung der Weinwanderung von Walporzheim in Richtung Dernau an. Ein Auftrag, über den ich mich sehr gefreut habe – und ein Vertrauen, für das ich Dörte und Meike Näkel dankbar bin.

„Ich bin Wolfgang. Oder der WeinOpa.“

Gruppe am Entrée 'Weinkultur Walporzheim'
Der neue Platz ‚Weinkultur Walporzheim‘

Als wir uns begegneten, war die Runde noch ein wenig förmlich. Man stellte mich als Weinspezialisten und Historiker vor. Ich sah in gut gekleidete, aufmerksame Gesichter und sagte, wie ich es bei meinen Veranstaltungen halte: „Ich lade Euch zu einem niveauvollen Du ein. Ich bin Wolfgang oder der WeinOpa. Wer beim Sie bleiben möchte, den sieze ich selbstverständlich gern weiter.“

Ein kleiner Moment des Innehaltens. Dann gingen wir gemeinsam die ersten Schritte zum Entrée der Walporzheimer ‚Weinkultur‘. Dort warteten ein Weißburgunder und die Illusion. Zu Letzterer erzählte ich ihre Geschichte. Die ersten Fragen kamen, die ersten Gespräche auch. Die Gruppe begann, miteinander und mit diesem Nachmittag warm zu werden.

Wir stiegen durch die alten, von Trockenmauern geprägten Weinbergterrassen hinauf. Vorbei an der Flutkapelle, vorbei an Winzern bei der Lese. Es war einer dieser Tage, an denen man den Weinbau nicht erklären muss, bevor man ihn sieht: Er geschieht direkt neben dem Weg.

Zwei Gläser, ein Kräuterberg

Auf der Aussichtsplattform Alte Lay stellte ich für jeden Gast zwei gleiche Weingläser bereit. Von hier aus hatten wir den Walporzheimer Kräuterberg unmittelbar vor Augen. Er zählt zu den großen Spätburgunderlagen der Ahr. An diesem Platz wollte ich zeigen, was ein einziger Weinberg in unterschiedlichen Jahrgängen und in unterschiedlichen Händen hervorbringen kann.

Ich schenkte zwei Spätburgunder aus dem Kräuterberg parallel und vollständig verdeckt ein. Niemand konnte wissen, welcher Wein links und welcher rechts stand. Die Gäste konnten in Ruhe riechen, probieren, zurück zum ersten Glas gehen und ihre eigenen Eindrücke finden.

Die Flaschen der verköstigten Weine
Die Flaschen der verköstigten Weine

Einer der Weine kam von Meyer-Näkel. Den zweiten hatte ich auf eigene Initiative mitgebracht: einen Kräuterberg der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr. Er gehörte nicht zum Auftrag des Weinguts. Gerade deshalb ist mir wichtig, das sauber zu erzählen:

Meyer-Näkels Weine waren das Herz dieser Wanderung. Meine zusätzliche Flasche war eine Einladung, die Qualität der Ahr noch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu entdecken.

Der Gedanke dahinter hatte eine Geschichte. Werner Näkel, der Vater von Dörte und Meike, hat mit seiner Arbeit wesentlich dazu beigetragen, dass die Ahr heute für große deutsche Spätburgunder steht. Beim Deutschen Rotweinpreis von VINUM gewann die Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr 2019 und 2020 die Spätburgunder-Kategorie; 2020 teilte sie sich den ersten Platz mit Meyer-Näkel. Meyer-Näkel gewann auch 2021. Das war für mich ein guter Anlass, gerade diesen Kräuterberg mitzubringen.

Die beiden Gläser erzählten von derselben Lage, ohne dass sie gleich schmecken mussten. Die Unterschiede waren Teil der Entdeckung. Erst danach erfuhren die Gäste, welche Weine sie vor sich hatten. Der zusätzliche Kräuterberg wurde sehr positiv aufgenommen. Mich freute vor allem, wie aufmerksam die Runde sich auf beide Weine eingelassen hatte, solange die Etiketten noch schwiegen.

Ein Ortswein nach den großen Lagen?

Wir gingen weiter, mit Blick auf den Ahrweiler Silberberg, und verkosteten auch einen Meyer-Näkel-Spätburgunder aus dem Jahrgang 2016 von dort: Silberberg GG. Wann immer wir nicht unmittelbar in einer Lage stehen konnten, suchten wir einen Platz, von dem aus sie sichtbar oder zumindest ganz nah war. So sollte die Herkunft nicht nur auf der Flasche stehen. Sie sollte Teil des Erlebnisses werden.

Später, oberhalb von Marienthal, kam der Dernauer Blauschiefer ins Glas. Ein VDP.Ortswein von Meyer-Näkel – nach den großen VDP.Lagenweinen und den beiden Kräuterbergen. Das sorgte zunächst für Verwunderung. „Kann das jetzt noch funktionieren?“, fragten die Gäste sinngemäß. Ja, es konnte. Gerade dieser Wein begeisterte die Runde mit seiner Qualität. Selbst sein Preis von 29 Euro wurde zum Gespräch: viel Geld für einen Ortswein, fanden manche, und zugleich ein Wein, der ihnen sichtlich Freude machte. Danach probierten wir den Dernauer Pfarrwingert, ein VDP.Grosses Gewächs.

Unter den Gästen waren zwei Zahnärzte aus Eisenstadt im Burgenland. Sie hatten an der Weinakademie in Rust Lehrgänge zum österreichischen Wein besucht und kannten Josef „Beppi“ Schuller. Ihre Fragen – und die der anderen – führten uns von der Ahr immer wieder hinaus in die nationale und internationale Weinwelt. Wir sprachen mit Ernsthaftigkeit über Herkunft, Stil und Qualität. Wir lachten dabei viel. Genau diese Mischung machte die Wanderung so schön.

Noch ein letztes Glas am Bunker

Kurz vor dem Bus, am ehemaligen Eingang des Regierungsbunkers, holte uns die Geschichte des Ahrtals noch einmal ein. Zum Abschluss gab es einen Riesling Kabinett von Meyer-Näkel. Wer mochte, probierte außerdem den zweiten Wein, den ich auf eigene Initiative eingepackt hatte: einen Pinot Noir „R“ der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr.

Aus geplanten dreieinhalb Stunden waren viereinhalb geworden. Die anfängliche Förmlichkeit war längst einer offenen, fröhlichen Runde gewichen. Meine Gäste waren glücklich mit den Weinen, mit ihren Antworten und mit diesem Tag an der Ahr. Und ich war es auch.

Ich denke gern an das Vertrauen von Meyer-Näkel zurück, an die Neugier des Kölner Gastgebers und seiner Freunde – und an den Augenblick auf der Alten Lay, als alle mit zwei verdeckten Gläsern vor demselben Weinberg standen. Mehr brauchte es nicht, um ins Gespräch zu kommen.

Der WeinOpa meint:

Der WeinOpa meint: