Es gibt Menschen, die lesen Bücher.
Und es gibt Menschen, die leben mit Büchern.
Der WeinOpa gehört zur zweiten Gruppe.
Als ich Anfang der 1980er Jahre begann, mich intensiver mit Wein zu beschäftigen, war die Welt eine andere. Es gab keine Suchmaschinen, keine Podcasts, keine Online-Seminare und keine Videos auf Knopfdruck.
Wer lernen wollte, musste lesen.
Fachbücher waren oft die einzige Möglichkeit, tiefer in die Welt des Weines einzutauchen. Also kaufte ich Bücher. Über Wein, Champagner, Cognac, Gastronomie, Food & Beverage, Management, Geschichte und später auch Philosophie und Psychologie.
Mit den Jahren entstand eine Bibliothek. Nicht geplant. Nicht systematisch. Sie wuchs einfach mit dem Leben.
Manche Bücher waren teuer. Die großen Teubner-Ausgaben kosteten in den 1980er Jahren beinahe 100 D-Mark – eine stolze Summe. Andere waren kleine Fachbücher, die heute kaum noch jemand kennt. Wieder andere begleiteten mich seit meiner Ausbildungszeit. Über vier Jahrzehnte kamen so nahezu achthundert Bücher zusammen.
Dann kam die Flut. Die Nacht von Mittwoch, den 14. Juli 2021 auf Donnerstag, den 15. Juli 2021
Innerhalb weniger Stunden verschwand eine Bibliothek, die über vierzig Jahre gewachsen war. Viele Bücher waren ersetzbar. Manche nicht. Oder zumindest glaubte ich das damals.
Mit der Zeit begann ich, einzelne Titel wiederzufinden. Manche über Antiquariate, manche über den Gebrauchtbuchhandel, manche durch Zufall.
Heute kaufe ich neue Bücher bevorzugt bei der Buchhandlung vor Ort. Menschen, die den Mut haben, im Ahrtal Geschäfte zu betreiben, verdienen Unterstützung. Meine erste Adresse ist die ‚Buchhandlung am Ahrtor‘ mit Jessica Bälz als Inhaberin.
Wenn ein Titel jedoch seit Jahren vergriffen ist, führt der Weg manchmal über den Gebrauchtbuchhandel (medimops). Und genau dort tauchen gelegentlich kleine Schätze wieder auf.
Gerade ältere Fachbücher haben noch einen besonderen Wert:
Sie zeigen nicht nur, was man damals wusste, sondern auch, was man damals für wichtig hielt.
In meiner Bibliothek stand über viele Jahre das ‚Taschenbuch der Rebsorten’ aus den 1980er Jahren. Wenn man dort nach dem Frühburgunder suchte, fand man vergleichsweise wenig. Die Rebsorte spielte damals selbst in der Fachliteratur eher eine Nebenrolle. Heute sieht das ganz anders aus.
Neuere Ausgaben widmen dem Frühburgunder deutlich mehr Aufmerksamkeit. Seine Geschichte, seine Besonderheiten und seine Bedeutung für Regionen wie das Ahrtal werden ausführlicher beschrieben als früher.
Genau solche Vergleiche faszinieren mich.
Denn Bücher erzählen nicht nur von Rebsorten, Weinen oder Regionen. Sie erzählen auch von der Entwicklung des Wissens. Wer alte und neue Fachbücher nebeneinander legt, kann oft nachvollziehen, wie sich die Wahrnehmung einer ganzen Weinregion verändert hat.
Manchmal genügt schon eine einzige Buchseite, um zu erkennen, welchen Weg eine Rebsorte, eine Region oder sogar eine ganze Weinkultur in den vergangenen Jahrzehnten genommen hat.
Der WeinOpa liest:
In dieser Rubrik stelle ich Euch Bücher vor, die mich begleitet haben.
Manche sind brandneu.
Manche sind Jahrzehnte alt.
Einige sind Fachbücher.
Andere erzählen Geschichten.
Allen gemeinsam ist, dass sie es wert sind, gelesen zu werden. Genau deshalb beginnt die Reihe mit einem Buch, das bereits 2004 erschienen ist und heute erstaunlich aktuell wirkt:
Champagner, Trüffel und Tartar
Viel Freude beim Stöbern, Wiederentdecken und Lesen. Dieses Format von mir wird wachsen und Euch weitere Buchtipps und kurze Beschreibungen bieten.
Euer WeinOpa
