Manchmal merkt man schon bei der Begrüßung: Das wird heute gut.
Vier Gäste waren es bei dieser Ausgabe von WeinOpas MonatsLese. Zwei Menschen gehörten zusammen, zwei waren miteinander befreundet, untereinander kannte man sich nicht.
Das hielt ungefähr fünf Minuten.
Dann wurde gelacht, gefragt, nachgehakt und erzählt. Und ziemlich schnell war aus vier einzelnen Gästen eine kleine Runde geworden, bei der eines sofort zu spüren war: Hier sind Menschen zusammengekommen, die neugierig sind. Auf Wein, auf Geschichten – und aufeinander.
Genau solche kleinen Gruppen liebe ich.
Das Thema dieses Samstags:
Die neue Generation – Wein neu gedacht
Junge Winzer, neue Ideen, frische Handschriften.
An der Ahr bewegt sich etwas.
Eine neue Generation von Winzerinnen und Winzern übernimmt Verantwortung, entwickelt Familienbetriebe weiter, geht eigene Wege oder gründet neue Projekte. Sie kennt die Tradition, aus der sie kommt – und sieht dennoch keinen Grund, deshalb alles genauso machen zu müssen wie vorherige Generationen.
Das finde ich spannend.
Denn „neu gedacht“ bedeutet für mich nicht: Früher war es schlechter und heute ist alles besser.
Es bedeutet: anders denken dürfen.
Mit eigenen Vorstellungen. Mit Mut. Mit einer eigenen Handschrift.
Und genau diese Handschriften wollten wir an diesem Nachmittag entdecken.
Sechs Weine – sechs Begegnungen
Wir starteten mit einem
2025 Weißburgunder trocken vom Weingut Lukas Sermann. Danach folgte der 2024 OS Weißburgunder trocken vom Weingut Oliver Schell.
Zwei Weißburgunder – und schon genügend Stoff für Fragen, Vergleiche und Diskussionen.
Weiter ging es mit einem 2022 Spätburgunder Blanc de Noir von Mission Steillage, bevor ein 2025 Rosé feinherb vom VDP.Weingut Burggarten eine weitere Facette ins Spiel brachte.
Zum Abschluss wurde es rot: 2023 Spätburgunder vom Weingut Bertram-Baltes und ein 2023 Spätburgunder der Next Generation Jungwinzer GbR.
Sechs Weine, unterschiedliche Menschen und unterschiedliche Vorstellungen davon, wie Wein von der Ahr heute schmecken kann. Und natürlich wurde verkostet.
Nur eben nicht nach dem Motto: Wer findet möglichst viele Aromen und hat am Ende recht?
Wir wollten wissen:
Warum schmeckt dieser Weißburgunder anders als jener? Was macht der Winzer anders? Was erzählt uns ein Blanc de Noir über den Spätburgunder? Wo begegnen sich Tradition und neue Ideen? Und muss mir ein Wein eigentlich gefallen, nur weil jemand anderes ihn großartig findet?
Es wurde gefragt.
Es wurde hinterfragt.
Es wurde verglichen.
Manchmal waren wir uns einig. Manchmal überhaupt nicht.
Und es wurde sehr, sehr viel gelacht.
Und dann kam uns die Uhr abhanden

WeinOpas MonatsLese dauert normalerweise drei Stunden.
Zumindest steht das so im Programm. An diesem Samstag schien diese Information irgendwann niemanden mehr besonders zu interessieren.
Unser letzter Verkostungspunkt lag draußen in den Weinbergen des Ahrweiler Silberbergs.
Unter uns lag Ahrweiler. Um uns herum die Reben. Von dort oben konnten wir bis hinunter zum Ahrweiler Weinmarkt schauen. Die Bühne war zu sehen, die Musik bereits zu hören.
Und da standen wir mit unseren Gläsern.
Redeten.
Probierten.
Lachten.
Und ließen den Nachmittag einfach laufen.
Aus den geplanten drei Stunden waren irgendwann vier geworden. Vielleicht auch viereinhalb. Es war völlig egal. Denn genau in solchen Momenten passiert etwas, das man nicht planen und schon gar nicht in eine Programmbeschreibung schreiben kann.
Die Weinprobe hört auf eine Weinprobe zu sein.
Da stehen plötzlich einfach fünf Menschen zusammen, die ein paar Stunden zuvor noch nicht gemeinsam an einem Tisch gesessen hätten. Der Wein bleibt dabei wichtig. Er ist schließlich der Grund, weshalb wir uns getroffen haben.
Doch er wird zum Türöffner.
Für Gespräche. Für Fragen. Für Geschichten. Für gemeinsames Entdecken. Und manchmal auch für eine Begegnung, die man morgens noch nicht auf dem Zettel hatte.
Der WeinOpa meint:
Manchmal ist eine Weinprobe genau dann richtig gut, wenn sie irgendwann keine Weinprobe mehr ist.
Vielleicht entdeckt man dabei einen neuen Winzer.
Vielleicht einen Wein, den man sich selbst niemals ausgesucht hätte.
Vielleicht eine neue Sicht auf etwas, das man längst zu kennen glaubte.
Und manchmal entdeckt man einfach ein paar Menschen, mit denen man gerne noch ein bisschen länger im Weinberg stehen bleibt.
Genau darum geht es bei WeinOpas MonatsLese.
Jeden ersten Samstag im Monat von April bis November. Drei Stunden sind geplant. Ein Sekt, fünf Weine, manchmal auch sechs und jeden Monat ein anderes Thema.
Was die drei Stunden betrifft …
… wir geben uns Mühe. 😉🍷

